Zeittafel II

Von den Baiern bis zum großen Ortsbrand

500 – 700
Stammesbildung der Baiern

Nach Abzug der Römer begann sich das Frankenreich von Westeuropa ins ehemalige Norikum auszudehnen, wobei unter Verschmelzung verschiedener Germanenstämme zwischen Donau und Enns das Volk der Baiern entstand. Die Agilofinger stellen die ersten Herzöge Bayerns, die auch die Christianisierung vorantrieben. Vom hl. Rupert, der aus Worms ins Land gerufen wurde, wird berichtet, dass er sich in Lorch aufgehalten hat, bevor er um 696 in Salzburg das Kloster St. Peter gründete. Sein Weg nach Salzburg hat ihn sicher durch die Welser Heide geführt.

um 750
Bairische Reihengräber von Marchtrenk

Beim Anlegen eines Gartens werden beim Haus Linzer Straße 37 -neben dem heutigen Feuerwehrdepot – sechs bairische Reihengräber freigelegt. Die regelmäßige Art der Bestattung lässt auf einen kleinen Friedhof schließen, zu dem zumindest ein Weiler gehört haben muss.

Aus dieser Zeit stammen Namen wie Hörsching 796, Oftering, Wilhering, wurden die Klöster Mondsee 748 und Kremsmünster 777 gegründet, und Wels 776 erstmals urkundlich erwähnt. Diese Reihengrabanlage ist die erste Spur eines Dorfes hier in Marchtrenk.

Eine Sichel als Grabbeigabe unterstreicht die Existenz einer landwirtschaftlichen Siedlung.

um 750

Der Name Marchtrenk

Die Ableitung aus dem althochdeutschen Bestimmungswort marha = Streitroß und dem ahd. Grundwort trenka = Tränke wird durch die Tatsache unterstrichen, dass nirgendwo in der Heide die alte Römerstraße so nahe an ein Gewässer gelangt, wie hier in Marchtrenk beim  Mühlbach. Tatsächlich befand sich bei der heutigen Sternmühle bis zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine Pferdeschwemme, die auch auf den ersten Karten von 1824 nachzuweisen ist. Gut möglich, dass man schon zur Zeit der bairischen Besiedlung die Pferde am Mühlbach vor dem Ritt durch die Heide tränkte. (Althochdeutsch war die Sprache des Frühmittelalters).

796
Erste Erwähnung von Hörsching

Hörsching wird im Traditionsbuch des Klosters Mondsee erstmals urkundlich erwähnt.

1196
Die Pfarre Hörsching

Hörsching wird als Pfarre erstmals urkundlich erwähnt, eine sehr große Pfarre. Sie umfasste auch das Gemeindegebiet von Marchtrenk.

1299
Erste Erwähnung von Marchtrenk

Marchtrenk im Stiftsurbar von Kremsmünster erstmals urkundlich erwähnt.

Ende des 13. Jahrhunderts kommt die Herrschaft Steyregg von den Kuenringern an die Kapeller, die von den Wildoniern dazu deren Güter um Wels (sehr wahrscheinlich waren dies Höfe in Marchtrenk ) erwerben. Die Kapeller richten in Marchtrenk ein Amt als Verwaltungsstelle ein und bauen eine Kapelle. Damit beginnt die Entwicklung eines lokalen Gerichtes, einer selbständigen Pfarre und letztlich der politischen Gemeinde Marchtrenk. 600 Jahre war deshalb die Geschichte Marchtrenks eng mit der von Steyregg verbunden.

1394
Die Marchtrenker

Eberhard Marchtrenker wird als Steyreggs Amtmann zu Marchtrenk in einer Urkunde erwähnt. Die Familie der Marchtrenker gelangt in Wels zu Hausbesitz und Ratsbürgerschaft

In Enns wird ein Marchtrenker Stadtschreiber des Landesherrn Kaiser Rudolf II., der den hohen Beamten in den Adelsstand erhebt. Auf diese Nobilitation, die als Baronie zu verstehen ist, geht wohl der Ruf der Marchtrenker als Ritter zurück. Als treue Protestanten mussten die Marchtrenker auswandern. Der letzte der Marchtrenker starb 1743 in Badisch Sulzbach bei Karlsruhe.

1406
Die Liechtensteiner in Marchtrenk

Die Herren v. Liechtenstein heiraten in die Herrschaft Steyregg. Dieses Adelsgeschlecht, es herrscht heute im Fürstentum Liechtenstein – Vaduz, erwirbt für seine Herrschaften das hohe Landgericht, wodurch Marchtrenk Gerichtsort wird. Es begann eine rege Bautätigkeit in Marchtrenk.

In dieser Zeit entsteht die „Obere Tavern“ oder Richterwirtshaus, heute das  Hotel Gasthof Fischer als erster profaner Steinbau in der Welser Heide.

Siehe auch: Marchtrenk und Lichtenstein

1483
Der erste Kirchenbau

An Stelle der Holzkapelle wird mit dem Bau der heutigen „Alten Kirche“ begonnen.

1526-1626
Marchtrenk protestantisch

Luthers Lehren fassen in Oberösterreich rasch Fuß. Bauern und Herrschaften werden Anhänger der Reformierten. Aus einem Briefwechsel zwischen Steyregg und dem Landeshauptmann sind zahlreiche protestantische Prädikanten (Prediger) in Marchtrenk bekannt. Es kommt zu einem Loslösungsversuch von der katholischen Pfarre Hörsching, der aber mit der Gegenreformation misslingt.

1580
Verkauf der Herrschaft Steyregg an die Jörger
1596
Bau des Gasthofes Ufermann

durch das Stift Kremsmünster.

1626
Bauernkrieg in O.Ö.

Beim Vormarsch auf Wels lagern die Truppen des Obristen Löbl bei Marchtrenk. Der Ort wurde als Löblschanze bzw. Löblberg bekannt. Dort wurde 1930 das Bauernkriegsdenkmal errichtet.

1635
David Ungnad v. Weissenwolff

verheiratet mit Dorothea Jörger, wird mit Steyregg belehnt. Das Geschlecht der Ungnad von Weissenwolff ist bis 1848 auch Herrschaft in Marchtrenk. Die von Weissenwolff betreiben entscheidend die Errichtung der Pfarre und der Katastralgemeinde Marchtrenk.

1702
Marchtrenker Wiege

Der Richter Johann Kötzinger lässt eine Wiege als Pranger für zänkische Eheleute tischlern. Der Pranger, der lange Zeit im Gasthof Fischer aufbewahrt wurde, ist heute im Schlossmuseum Linz. Er gilt als Rarität der Rechtsgeschichte.

1719
Neubau des Kirchturms

Mit 39 Meter ist er höher als der heutige Turm.

1748
Einrichtung eines Benefiziums

für einen Pfarrpriester. Priester ist Jakob Theiss aus Wels.

Mit dem Benefizium hat Marchtrenk einen ständigen Priester und löst sich weitgehend von Hörsching. (Das Benefizium besteht aus Grundstücken und Rechten deren Ertrag dem Priester zukommt und seinen Unterhalt ermöglicht.)

1749
Benefiziatenhaus

Der heutige r. k. Pfarrhof, damals das Überländhäusl des Richterwirtshauses, wird Wohnstätte des Priesters und damit provisorischer Pfarrhof.

1759
Erste Schule in Marchtrenk

Im seinerzeitigen Mesnerhaus hinter der alten Kirche.

1783
Marchtrenk wird Katastralgemeinde

Kaiser Josef II. lässt im Zuge einer Steuerreform Oberösterreich in Katastralgemeinden, sogenannten Verzeichnisgemeinden zusammenfassen. Viele davon werden 1848 selbständige politische Gemeinden, so auch Marchtrenk.

1784
Marchtrenk wird selbständige Pfarre

Im Zuge der Gründung des Bistums Linz unter Josef II wird Marchtrenk, das bis dahin immer noch zur Pfarre Hörsching gehörte, eine selbständige Pfarre.

Ein wichtiger historischer Schritt.

1800, 05, 09
Franzoseneinfälle in Marchtrenk
1834
Pferdeeisenbahn Linz – Gmunden

Die erste überregionale Eisenbahn des Kontinents wird eröffnet.

1846
Großer Ortsbrand

im Unteren Dorf ( Zwischen Gasthof Pölzl und dem heutigem Haus Holzinger).

Beitrag erstellt von Erwin Prillinger.