LANDSMANNSCHAFT DER DONAUSCHWABEN

Anlässlich der Diamantenen Hochzeit von Hilde und Franz Braun in der Eiselsbergstraße in Marchtrenk war selbstverständlich auch Bürgermeister Paul Mahr eingeladen. Die Lebensgeschichte, die Flucht aus der Batschka und der Zuzug nach Marchtrenk wurden ihm von Frau Braun sehr lebhaft erzählt. Er veranlasste Reinhard Gantner, Obmann des Museumsvereins, ein ausführliches Zeitzeugengespräch zu führen, das hier nur verkürzt wiedergegeben werden kann.

Frau Braun wurde 1938 als Tochter eines Huf- und Wagenschmids und einer Bäuerin in Podravska Slatina, Slawonien, geboren. Nachdem Tito 1945 erklärte, dass Jugoslawien nicht die Heimat der Volksdeutschen sei und sie für „vogelfrei“ erklärte, mussten sie flüchten oder wurden grausam vertrieben. Die Mutter von Hilde fuhr mit drei Töchtern in einem Viehwaggon nach Zwickaus. Der Vater folgte erst später in einem Pferdetreck nach. Getroffen hat sich die Familie Ende 1944 in Hartkirchen in OÖ. Dort lebten sie zusammen mit zwei weiteren Familien auf engstem Raum. Als Kind durfte Frau Hilde zunächst nicht die Allgemeine Volksschule besuchen, dies wurde ihr erst ab 1947 erlaubt. Noch heute schwingt in ihrer Erzählung eine gewisse Verbitterung über die Aufnahme in Oberösterreich mit. Man wird an das Schicksal von Flüchtlingen in der heutigen Zeit erinnert, Parallelen sind erkennbar.

Da der Baugrund in Marchtrenk sehr günstig war (4,- Schilling pro m2) zogen sieben Familien aus ihrer Heimatstadt nach Marchtrenk. 1956 war Frau Braun die erste Mitarbeiterin der Firma Ritz-Messwandler GmbH  in Marchtrenk, wo sie 30 Jahre lang arbeitete. Im selben Jahr lernte sie ihren Gatten – einen Heimatvertriebenen aus Rumänien – an einem Volkstanz-Abend beim „Kellerwirt“ kennen; sie bekamen zwei Söhne. Sehr gerne erinnert sich Frau Braun  an den engen Zusammenhalt in den ersten Jahren in Marchtrenk. Man hat sich gegenseitig beim Hausbau geholfen, lebte nach dem Baubeginn in einer Holzhütte oder gar im Keller des Rohbaues. Ein Garten, Hühner und ein Schwein machten sie fast zu Selbstversorgern. Nur wenig wurde im Kaufhaus Wiesinger und in der Bäckerei Martetschläger eingekauft. Erst durch den Schulbesuch der Söhne und durch ihren evangelischen Glauben begann die Integration im Ort.

Heute sind sie Urgroßeltern. Frau Braun pflegt neben ihrem Mann auch den großen Garten „Eden“.

//März 2017//